
Die Bürgerinitiative der Gemeinde Stelle (BIGS) feierte mit einem Imbiss bei Jolie ihren 4. Geburtstag.
Auftakt der Veranstaltung war zunächst ein sehr interessanter Vortrag von Herrn Grimm, Leiter der Kriminalpolizei in Winsen, mit anschließender reger Diskussion, zum Thema:
Jugend – Kriminalität und Prävention
zu dem auch alle Vertreter von Jugendgruppen der Gemeinde eingeladen wurden. Bedauerlicherweise versäumten einige die Gelegenheit, Herrn Grimm zu erleben, da in Stelle leider viele zwar erfolgreich gegeneinander aber nur wenige miteinander umgehen können. Möge sich das bald ändern und ein gemeinsames Ringen um die Sache beginnen.
Herr Grimm gab vorweg einen Einblick in die Jugendkriminalität im Landkreis und speziell in unserer Gemeinde.
Zu Beginn erläuterte Herr Grimm die Frage, wann wird man strafmündig und welche Auswirkungen kann das auf die Täter haben - anschaulich an verschiedenen Fällen erklärt.
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Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 14 Jahren können nicht für ihre Straftaten belangt werden.
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Im Alter zwischen 14 und 18 Jahren gilt das Jugendstrafrecht
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Im Alter zwischen 18 und 21 Jahren kann das Jugendstrafrecht wie auch das Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung kommen.
Besondere Schwerpunkte der Jugendkriminalität:
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Am Anfang stehen Diebstähle von Fahrrädern, dann Mopeds und schließlich Autos. Motivationen die dahinterstehen sind bedauerlicherweise nur kurzeitiger Spaß und anschließende Zerstörungswut.
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Alkohol und Drogen
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Graffiti
Die Zahl der Straftäter liegt im Bundesschnitt bei 3-5%.
Speziell zu der Situation in unserer Gemeinde:
Es gibt derzeit einen harten Kern von ca.80 auffälligen Jugendlichen, die sich meist auf dem Parkplatz der Haupt- und Realschule, an der Grundschule Ashausen, bzw. Spielplatz Heidbarg und an der Kurze Heide unter der Schirmkiefer treffen.
Die Jugendlichen haben aber z.T. einen Einzugsbereich von Winsen über Stelle bis Seevetal. Überall fallen Sie durch Alkoholkonsum und Zerstörungswut auf.
Das manchmal begleitende Gewaltpotenzial steigt bundesweit und geht auch am Landkreis nicht vorbei.
Da die Kinder- und Jugendlichen überwiegend kein familiäres Umfeld haben, indem sie soziale Verantwortung und Kompetenz lernen könnten, geraten sie leicht in den Sog der unausweichlichen Konsequenzen.
Was im kindlichen Alter mit unbestrafter Tat beginnt, hier stehen Fahrraddiebstähle und Eigentumsdelikte wie: u.a. das Stehlen von Handy’s, Kleidungsstücken, Turnschuhen und Geld – leider auch mit der Straftat der Erpressung einhergehend-, setzt sich dann im jugendlichen Alter fort.
Strafen sind allerdings schwer durchzusetzen, selbst wenn eine Verurteilung vorliegt und der Jugendliche die Möglichkeit hat, durch den Einsatz im sozialen Bereich seine Taten wieder gut zu machen, wird er zwar bei Nichterscheinen von der Polizei abgeholt, verschwindet dann aber häufig wieder, wenn er sich unbeobachtet fühlen kann.
Auch hier fällt auf, dass die Eltern der Straftäter keinen Willen haben oder auch keine Kompetenz, hier erzieherisch tätig zu werden. Einige wachen auf, wenn es an ihren Geldbeutel geht, andere stört nicht mal das, weil sie ohnehin kein Geld haben.
Also wird am langen Ende der kriminellen Laufbahn schließlich eine Verurteilung mit anschließendem Jugendvollzug stehen. Realistischerweise allerdings nicht der geeignete Ort, da die Jugendlichen hier meist erst recht etwas für ihre weitere kriminelle Laufbahn dazulernen.
Fazit:
Wenn sich der Bürger auch so fühlt, als sei er machtlos, so ist das nicht der Fall.
Keiner verlangt von ihm – auch nicht die Polizei – einzuschreiten, wenn er Straftaten sieht, aber er sollte wachsam jede mögliche Straftat sofort melden. Wobei er nicht fürchten muss, für einen falschen Alarm den Polizeieinsatz bezahlen zu müssen.
Sollten Sie also aus dem Fenster z.B. einen möglichen Einbruch sehen, benachrichtigen Sie die Polizei umgehend. Nicht erst am nächsten Morgen!
Melden Sie schnell Randalierer, damit der Schaden für den Besitzer sowie die Jugendlichen, so gering wie möglich gehalten werden kann. Seien Sie wachsam, haben sie ein offenes Ohr für Kinder in Not.
Fragen Sie selbst nach, wenn Sie unsicher sind.
Nur eine wache Gesellschaft kann an der Spirale der Gewalt drehen. Gerade in überschaulichen Gemeinden kann die Anonymität überwunden werden. Es ist leicht den Finger zu heben und auf andere zu zeigen, in Resignation zu verfallen oder jemanden zu ermahnen etwas zu tun ohne es selbst zu probieren.
Besser ist es jedoch, wenn alle sich verantwortlich fühlen, jeder nach seinen eigenen Möglichkeiten.
Sehen Sie nicht weg – handeln Sie ! Nur gemeinsam sind wir stark !
Marina Lemmermann